Diese Frage wird gerade zugegeben immer leiser, besonders in den letzten Monaten, aber gehen wir das dennoch noch einmal an. Dazu möchte ich das ganze in verschiedene Bereiche teilen:
Ideologisch
Für ein Betriebssystem bezahlen, mitunter über 100€ und dann ist das mittlerweile immer weniger einstellbar? Und dann kennt auch nur das Unternehmen den Code, kein unabhängiges Review des Codes, ständig neue Sicherheitslücken die erst spät geschlossen werden… Warum will ich mich davon abhängig machen? Zudem macht die Abschaltung/das Phase out von Windows 10 (je nach Quelle) wohl um 250 Millionen Geräte zu IT-Schrott (Canalys warnt..). Geräte, die eigentlich noch gut laufen und für die eigentliche Nutzung (meist nur surfen, mailen, Office) vollkommen ausreichend wäre.
Für viele gilt der Datenschutz auch als Ideologisch. Daher lass ich es hier mal einfließen. Denn unter Windows kann ich die Einstellungen von Haus aus nie soweit runter drehen, dass keine Berichte über User Experience an den Mutterkonzern geschickt werden. Ja, ich hinterlasse auch im Netz meine Spuren und ja, es sind angeblich anonymisierte Daten. Dennoch ist es zum einen eine Frage, wie gut anonymisiert wird (das weiß nur Microsoft) und wie man aus Daten auch Informationen zieht, zeigt David Kriesel sehr eindrucksvoll auf der 33C3.
Politisch
Es ist ein Produkt eines amerikanischen Unternehmens. Eines, dessen Gründer sich einem Präsidenten mit zweifelhaftem Ruf und sehr zwielichtigen Kontakten (Thema Epstein) regelrecht anbiedert. Ohne nun irgendeine Verschwörungsgeschichte erzählen zu wollen, aber wer weiß, was Microsoft in Windows alles eingebaut hat, Thema Killswitch oder Betriebsspionage. Zumindest nach EU-Recht dürfen so Funktionen hier nicht etabliert werden, aber wer ist nicht schon mal zu schnell gefahren? Bisher haben einige US-Konzerne nach dem „I am very sorry!“ dann doch eben so oder über ein anderes Schlupfloch weiter gemacht. Weg von Microsoft (zumindest privat, beruflich habe ich da leider wenig Mitspracherecht) heißt politisch eben auch: Mindestens ein Nutzer weniger, in Masse macht sich das irgendwann dann im Aktienwert bemerkbar.
Technisch
Wie oben schon ideologisch gesehen, aber eben auch technisch: Da wird IT-Hardware obsolete, nur weil es ein Tech-Gigant so will. Zudem braucht Linux, besonders bei den leichtgewichtigen Distributionen, deutlich weniger Ressourcen als Windows 10 und auch weniger als manch frühere Versionen. Das meiste, was der normale Nutzer braucht, gibt’s zudem auch als OpenSource, nicht selten sehr ähnlich oder gleich in der User Experience, wie Tools, die unter Windows laufen.
Seit dem Microsoft zudem angekündigt hatte, das Käufe in Spielen nicht zulassen zu wollen, wird Wine als Emulator für Windows-Programme auch immer besser (Valve:Proton 10.0.4 erschienen). Wenn man einigen Videos auf Youtube glauben darf, sind Spiele unter Linux je nach Config sogar schon flüssiger als unter Windows auf der selben Maschine.
Zudem spricht technisch einfach für den Umstieg: Je nach Distribution und Kenntnisse kann ich schnell und einfach ein Backup meiner Einstellungen und des Setups erstellen. Einige Distributionen bringen hier sogar schon so etwas wie die Timecapsule-Funktion unter Mac mit. Hab ich dann mein System zerschossen, stelle ich einfach den alten Zustand wieder her und mach’s nochmal.
Gegenfrage: Warum den auch nicht?
Linux allgemein ist schon längst nicht mehr das Betriebssystem, was umständlich installiert werden muss, nur wenige Treiber verfügbar hat, Software immer selbst kompiliert werden muss, also eher für erfahrene Nutzer war. Die Installation sollten die meisten mit den Basic Skills meistern können (Yumi starten, ISO herunterladen, vom Stick booten und Install klicken). Vieles im Netzwerk, wie der Netzwerkdrucker, wird direkt erkannt und installiert, das Look’n’Feel ist nahezu vollkommen anpassbar. Zudem kann ich Nutzer deutlich einfacher verwalten und ggf. einschränken. Bei der Installation von neuer Software muss man aktiv zustimmen, was einige *.jpg.exe Fallen unbrauchbar machen.
Ja, es gibt auch für Linux ein paar wenige Viren, allerdings sind viele Mechanismen, die in Windows zu einem so hohen Befall führen, unter Linux oder besser bei Unix-Systemen allgemein (damit auch MacOS) nicht existent oder nicht einfach ausnutzbar.